Offener Brief an die Mitglieder der Landessynode

Stuttgart, 10.11.2005

Liebe Synodale, 

als Arbeitskreis evangelischer Vikarinnen und Vikare verfolgen wir die Debatte um die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen, die auf der jetzigen Herbstsynode entschieden werden sollen – insbesondere die geplante Schließung des Hauses Birkach – mit gemischten Gefühlen. Auch wir sind davon überzeugt, dass es unverantwortlich wäre, mittelfristig auf einschneidende und auch schmerzhafte Sparmaßnahmen zu verzichten. Dennoch sind wir über einige Beobachtungen befremdet: 

  1. Unseren Informationen zufolge gab es die Überlegung, zuerst ein Bildungskonzept zu erarbeiten, das darlegt, welche Bildungseinrichtungen prinzipiell für unsere Landeskirche unverzichtbar sind – und erst dann anhand dieses Konzeptes über die konkrete Schließung von einzelnen Häusern zu entscheiden. 

    Über die bisherige Bildungskonzeption ist uns von offizieller Seite her noch nicht viel bekannt – aber sie sieht wohl die Einrichtung eines landeskirchlichen Bildungszentrums in zentraler Lage vor. Die Schließung von Haus Birkach würde diesem Konzept den Boden unter den Füßen entziehen und damit die bisherige konzeptionelle Arbeit mehr oder weniger obsolet machen.


  2. Bisher gibt es unseren Informationen zufolge keine wirklich überzeugenden Alternativen, wie die Funktionen von Haus Birkach auf verläßliche Weise kostengünstiger übernommen werden könnten. 

    Wir sind keine Finanzexperten – aber unserer Einschätzung nach ist es sehr wahrscheinlich, dass trotz eines unbestrittenen kurzfristigen Spareffekts auf lange Sicht letzten Endes doch höhere Folgekosten auf die Landeskirche zukommen, wenn man eine Einrichtung wie das Haus Birkach durch qualitativ möglichst gleichwertige (!) Angebote zu ersetzen sucht.


  3. Wir sind auch erstaunt darüber, dass keine Alternativen zur Entscheidung vorgelegt werden, welche Häuser oder Bauvorhaben für eine Einsparung in Frage kommen könnten. Entscheidendes Kriterium für die Suche nach alternativ abzustimmenden Sparmaßnahmen müsste u.E. sein, welche Bildungseinrichtungen den Kirchengemeinden, also der Aus- und Weiterbildung ihrer haupt- und nebenamtlichen MitarbeiterInnen am meisten dienen. 

    An dieses Kriterium, inwiefern sowohl die Einrichtungen als auch die Konzeptionen an den Erfordernissen in den Gemeinden ausgerichtet sind, möchten wir in der Debatte deshalb nochmals besonders erinnern und uns für dieses Kriterium stark machen.

Den Wunsch etlicher Synodalen aus allen Gesprächskreisen, vor der Entscheidung über die Sparmaßnahmen diese Punkte nochmals zu überdenken und mögliche Alternativen zu formulieren, unterstützen wir deshalb nachhaltig. 

Je schneller freilich eine Entscheidung getroffen werden kann, desto besser wird dies auch u.E. sein. Dass die Sparmaßnahmen lediglich auf die lange Bank geschoben werden, möchten auch wir nicht. 

Wir danken Ihnen herzlich für die Arbeit, die Sie in der Synode leisten und wünschen Ihnen für diese schwierigen Entscheidungen Gottes Weisheit und seinen Segen! 

Der Geschäftsführende Ausschuss des AkeV, 

Johannes Reinmüller (Sprecher), Vikar in Aichtal
Ralf Bürzele, Vikar in Stuttgart-Feuerbach
Rainer Holweger, Vikar in Stuttgart-Mitte
Michael Jonas, Vikar in Kupferzell
Christian Lehmann, Vikar in Ilsfeld


 



Der Arbeitskreis evangelischer Vikarinnen und Vikare ist ein Zusammenschluss von derzeit ca. 60 Vikarinnen und Vikaren, Pfarrerinnen und Pfarrern z.A. innerhalb der evangelischen Landeskirche in Württemberg 

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Vikar Rainer Holweger
Evang. Leonhardsgemeinde Stuttgart
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